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Wer durch Zufall oder Verweis auf unsere Seite (oder die einer anderen Liga) stößt, mag sich verwundert am Kopf kratzen und zur Sicherheit nochmal auf den Kalender schauen: im Jahr 2019 gibt es Menschen, die sich intensiv mit einer Simulation der Formel 1 der sechziger Jahre für den PC beschäftigen, die 1998 von Papyrus entwickelt und von Sierra Entertainment veröffentlicht wurde.
Grand Prix Legends hat nicht nur die dauerhaft gefesselt, die den Grundstein für diese Liga legten. GPL hat über die Jahre hinweg immer wieder Leute angelockt, die fasziniert sind von der Möglichkeit, sich einer vergangenen Ära des Motorsports virtuell anzunähern. Und das nicht etwa gegen Computergegner, sondern im fairen Wettstreit gegen echte Menschen.
Und da diese Liga seit nunmehr 15 Jahren aktiv ist (das erste Posting im Forum datiert auf den 05.03.2004), ist es höchste Zeit einmal aufzuschreiben, wie alles begann, Zeit für die

Geschichte der Gentlemen’s League

Wie gesagt, die Dauerhaftigkeit konnte niemand voraussehen und einen Biographen gab es auch nie. Daher greifen wir nun auf Gedächtnisprotokolle zurück. Sollten aus den Angaben Unstimmigkeiten oder Zerwürfnisse erwachsen, mögen die Beteiligten diese gemäß dem letzten Abschnitt unseres Regelwerkes klären 😉

Pit berichtet:

…in den 90ern lernte ich Freddy aus Portugal kennen,er war aus Remagen dorthin ausgewandert, mutig für einen Single Jahrgang 1934….wir fanden die Demo von GPL und legten los, mit unseren bescheidenen“Lenkhilfen“ damals aber praktisch unfahrbar. Ich verlegte mich dann aufs Painten und schloss mich einer Gruppe aus rsc.net (oder so ähnlich, gibt es nicht mehr) an. Ich war recht erfolgreich und stellte für Freddy sogar eine Wurstbude in den Pflanzgarten. ;o) Zurück zu den Anfängen: wir fanden die Demo von MBTR (Mercedes Truck Racing) und bekamen gleichzeitig MSFF-Wheels in die Finger, das Spiel hat richtig Laune gemacht! Dann erinnerten wir uns wieder an GPL, kauften die Vollversion, entdeckten VROC und rumpelten auf offenen Servern herum (Killer Miele tauchte auch zu der Zeit auf), wir lernten Mario Novello aus Berlin kennen und beschlossen, einen eigenen Server aufzusetzen und eine Liga zu gründen, das war 2003.
Anfangs noch mit 28,8k Modem, später mit 56k Modem….und dann bekam ich DSL!!!! Schon war klar, wer hostete. Ich hatte eine Super Leitung, einen Ping von 9 ms und bereits erste Versuche waren ein voller Erfolg, Geli war gezeugt!
Damals war alles noch teuer, Flatrates kamen zum Glück aber bald, wir legten alle 3 zusammen, ich besorgte den Server (olle Laptops oder Bürorechner) kaufte RAM usw., schließlich sollte es ja ein dedicated Server sein. Anfang 2004 kam dann Geli zur Welt, Ferdi und Albrecht und ein paar andere kamen schnell aus der FunLiga dazu, Jörg räumte uns Platz im Forum ein, wir nahmen den Ligabetrieb auf.

Tja, das waren die Anfänge und mein grosses Hobby sollte dann ein jähes Ende finden. :-(( Ich wäre heute noch sehr gerne dabei, Rennen und speziell der Ring waren meins, aus unzähligen „Touristenfahrten“ kenne ich dort jeden Grashalm mit Vornamen, mein Ältester (44) hat Vitamin B ohne Ende und kennt Gott und die Welt (und mindestens noch 3 andere), er hat mir vor 2 Jahren eine Fahrt in einem professionellen Simulator ermöglicht, ich bin da in einem 911GTR3 und Asetto Corsa unfallfrei und ohne Fahrhilfen um den Ring gehetzt, dass der Betreiber Bauklötzchen gestaunt hat:


Das Ding erzeugte 2,5G beim bremsen und in Kurven, sieht im Video (hoch zur hohen 8) unspektakulär aus, wurde aber in Runde 2 – 4 so heftig, dass ich raus musste und mir später das Essen nochmal durch den Kopf gehen liess…

Quelle: P. Schleifer, Januar 2019

Das frühe Erscheinen von Albrecht und Ferdi hat Pit ja gerade berichtet, reichen wir das Mikrofon kurz zu Ferdi herüber:

Angefangen hat es irgendwann Ende 2002, so ganz genau weiß ich es nicht mehr. Was ich genau weiß – Albrecht ist schuld. Er hat mich auf diese SIM aufmerksam gemacht, nachdem ich zuvor bei irgendeiner Truppe Grand Prix 3 gefahren war, mit Einsenden von Hotlap-Replays an den Chef dort und daraus resultierender „Weltmeisterschaft“. Das ging relativ einfach im Vergleich zu GPL, daher konnte ich mich mit GPL auch erst nach Albrechts mehrmaligem guten Zureden anfreunden. Seitdem bin ich GPL verfallen.
Wir fuhren zu Anfang in der FunLiga von Jörg Unkelbach, das war auch eine Weile recht spaßig, dann kamen zunehmend Hotlapper vorbei, die vielleicht mal eine schnelle Runde hinbekamen, sich aber ansonsten mit Shift-R durch die Rennen mogelten. Gelegentlich hatte man im Rennen diese hineingebeamten Typen vor sich, die dann mit kalten Reifen und vollem Tank versuchten, gleich wieder Krawallrunden hinzulegen. Nicht nur mich störte es zunehmend, dass regelmäßiges Abgeschossenwerden allmählich dazugehörte. Zur Ehrlichkeit gehört, dass auch ich zu Beginn des Onlinefahrens haufenweise dämliche Fehler gemacht und andere damit geärgert habe, sorry dafür, es war nie böse Absicht dabei, sondern pures Unvermögen.
Die Idee zu einer „Gentlemens League“ ging wohl von Peter Schleifer (Pit) aus, das muss Ende 2003 gewesen sein. Es sollte vor allem Schluss sein mit Shift-R, und auch Rennen in GP-Länge kamen ins Programm. Auch Klarnamen waren erwünscht (warum auch nicht), und das Fahren sollte ausschließlich in Cockpit-Perspektive erfolgen. Heute kann ich gar nicht mehr anders, diese F10-Ansicht aus dem Hubschrauber verwirrt mich eher, und neue Strecken kenne ich nach zehn Runden auch so ganz gut. Diese Bedingungen sorgten zunächst für einen recht kleinen Teilnehmerkreis, der aber zäh dabei blieb und sich durch nichts entmutigen ließ, selbst „Schrankwand“ Freddy konnte das nicht ändern (der war immer schwer zu überholen). Erst im Laufe der vielen Jahre erwies sich das Konzept als stabil und erfolgreich, wenn man so betrachtet, welche erstklassigen Fahrer bis heute angelockt werden konnten. Weltweit ist auch die Zahl der verfügbaren GPL-Server und -Ligen gesunken, übrig geblieben ist der „harte Kern“.
Einige reale Treffen unter Fahrern gab es auch. In Hockenheim habe ich mich mal mit Pit getroffen, später kam er dann mal für einen Kaffee bei mir vorbei. Auch im Hause Kleinfeld haben Pit und ich mal einen Nachmittag mit Albrecht verbracht.
Eine Weile schrieb ich nach vielen Rennen Reportagen (heute noch im Archiv der Geli-Seite unter „Bilder“), die in erster Linie der Unterhaltung dienten, so 2005 – 2008 muss das gewesen sein. Das kam immer gut an, aber irgendwann gingen mir neue Ideen und vor allem die Zeit dafür aus, es kostete mich mindestens den halben Samstag, was familiär auf die Dauer nicht gefiel, mit Recht.
Während eines Rennens in Le Mans überkam mich mal das nicht zu unterdrückende Bedürfnis, die Toilette aufzusuchen, meine größte Sorge war, dass mich das Spiel während dieser Pause rauswirft. Ist aber gutgegangen, ich konnte dann weiterfahren. Seit dieser Zeit verbringe ich die letzten 5-10 Minuten des Qualify nicht am Rechner.
Viel Spaß habe ich am Setup-Basteln, damit bringe ich wohl den größten Teil meiner GPL-Zeit zu. Die üblichen Setups aus dem Netz waren irgendwie nie für mich gemacht. Irgendwann habe ich damit begonnen, diese Setups auf meiner Homepage der Allgemeinheit zugänglich zu machen, habe aber kaum damit gerechnet, dass sie auf viel Interesse stoßen, weil sie ja eigentlich eher für meine persönliche Fahrweise nach Versuch und Irrtum gemacht sind. Inwischen habe ich jedoch so einige Zuschriften aus aller Herren Länder erhalten, die mir zeigen, dass es wohl doch nicht ganz so dumm ist, was ich da fabriziere.
Von GPL angeregt, bin ich in Frankreich-Urlauben auch schon an einigen Originalschauplätzen gewesen und habe Youtube-Videos von alten Streckenresten online gestellt, bisher nur Clermont-Ferrand und Reims, aber wer weiß, was noch kommt…

Quelle: F. Schulze, Januar 2019

Natürlich möchte Albrecht die Behauptung, an allem schuld zu sein nicht einfach unkommentiert so stehen lassen 😉

Pit und Ferdi haben bereits alles Wesentliche erzählt. Aber die Geschichte der Gentlemen’s League hat auch eine Vorgeschichte, die eng mit meiner persönlichen Geschichte verknüpft ist, von der ich hier berichten möchte.

Real bin ich eigentlich ein eher gemütlicher Fahrer und mit entsprechend unspektakulären Familienkutschen unterwegs. Vor ca. 20 Jahren fing ich damit an, die ersten Rennspiele am PC auszuprobieren. Mit Gamepad und ohne Grafikkarte mit 3D-Beschleunigung auf einem 386er PC machte es mir doch schon so viel Spaß, dass ich meine Hardware hierfür nach und nach aufrüstete. Anfangs war ich hauptsächlich mit Rallye-Autos unterwegs und interessierte mich für die Rennen der British Touring Car Championship. Ich hatte bereits von den ersten LAN-Parties gehört und informierte mich im Internet, wo man da vielleicht mitfahren könnte. Dabei stieß ich auf eine kleine Gruppe, die ihre ersten Online-Versuche mit Toca 2 startete. Schnell war ich dabei, und obwohl der Net-Code dieses Spiels recht instabil war (er war eigentlich nur für 8 Personen im LAN gedacht), konnte das unserer Begeisterung nichts anhaben. Wir fuhren die realen Tracks aus 1998, die wir heute noch in der Geli fahren (Snetterton, Brands Hatch, Oulton Park, Thruxton, u.s.w.). Es war übrigens die Gruppe um Jörg Unkelbach und Matthes Hradetzky, aus der dann bald darauf die FUN-Liga hervorging.
Zwischendurch hatte ich mir mal wegen der guten Kritiken in den Spiele-Zeitschriften die Demo von GPL installiert. Anfangs konnte ich damit aber nichts damit anfangen. Die Autos waren für mich nicht fahrbar. Erst als Jörg auf Basis von GPL die FUN-Liga gründete, machte ich weitere Fahrversuche und nach einigen Stunden Training in Watkins Glen erlebte ich ein Fahrgefühl, dass ich so noch nicht kannte: Der Lotus driftete auf allen Vieren sauber in die Kurven und machte nach einigem Spiel mit dem Gaspedal genau das was er sollte. Ich spürte Fliehkräfte, die nicht da sein konnten und den Fahrtwind im Gesicht. Zum ersten Mal war ich fest davon überzeugt, so muss es sich anfühlen in einem richtigen Rennauto zu sitzen. Es war mein persönliches Schlüsselerlebnis, welches mich bis heute nicht mehr los lies.
Als ich mit einer Arbeitskollegin hierüber einmal ins Gespräch kam, erzählte sie mir von ihrem Mann, der sich damals auch einer Renngemeinschaft angeschlossen hatte und intensiv am Computer damit beschäftigt war, schnelle Runden mit Formel 1-Autos zu drehen. Die schnellsten Runden wurden hochgeladen und mit den Zeiten der anderen Hotlaps verglichen. Ich wurde neugierig und lernte so auch den Mann der Arbeitskollegin (es war Ferdi Schulze) kennen und schätzen. Gefahren wurde mit „GrandPrix 3“, einer damals ebenfalls sehr guten Renn-Simulation. Unser Geli-Mitfahrer Julian Poppe war als Hotlapper auch schon dabei.
Jetzt war die Zeit gekommen, wo ich Ferdi einfach mitnehmen musste. In einer Mail erzählte ich ihm begeistert alles über GPL und warum er diese Simulation unbedingt einmal ausprobieren müsse. Und Ferdi probierte aus. Nach einigem Zögern antwortete er sinngegemäß, hmm ja, die Nordschleife sei ja ganz nett. Aber es dauerte nicht lange bis auch bei Ferdi der Funke übergesprungen war. Ferdi schloss sich der FUN-Liga an und im Januar 2003 waren wir beide bei der ersten Online-Meisterschaft dabei. Mit dabei waren auch die ehemaligen Toca 2-Fahrer, wie Andreas Schremser, Jörg Unkelbach, Matthes Hradetzky, Peter Arbeiter, Steffen Röthling und Toni Brandt. Einige Geli-Fahrer dürften diese Namen ja noch kennen. Jeden Donnerstag abend um acht ging der Spaß los. Viele von uns waren aber noch weit davon entfernt, die hochsensiblen Karren wirklich zu beherrschen. Zahlreiche Unfälle und Crashs mit anderen waren an der Tagesordnung. Die Rennen konnten von vielen oft nur mit Shift R zu Ende gefahren werden. Es war weder Absicht noch Leichtsinn, sondern es fehlte uns einfach noch das fahrerische Können. Auch ich gehörte lange Zeit zu den Crash-Piloten und kam öfter von der Strecke ab als mir lieb war.

Pit lernte ich bei einem Rennen in Watkins Glen kennen. Nach einem packenden Zweikampf kam er in Zielkurve der Schlussrunde von der Fahrbahn ab und überließ mir fair den Vortritt. Ein wahrer Gentleman, schon damals!
Mit Freddy Hermann und Mario Novello gründete er in 2004 eine eigene Liga, die bewusst auf einem anderen Konzept aufbauen sollte. Die Gentlemen‘s League war geboren. Ferdi und zwei weitere Fahrer aus der Fun-Liga schlossen sich der „Geli“ sofort an. Ich zögerte, denn ich fühlte mich vor allem der Fun-Liga verbunden und in zwei Ligen gleichzeitig zu fahren, war aus zeitlichen Gründen damals für mich nicht machbar. Erst 2006 war es dann soweit. Zusammen mit Andreas Hesmer und Klaus Herding bin ich dann ebenfalls in die Geli eingestiegen, ohne die Fun-Liga zu verlassen. Andreas Hesmer erwies sich sehr schnell als große Hilfe für den Rennbetrieb, er übernahm Gestaltung und Pflege der Webseite. Die Replays von sämtlichen Rennen hat er auf seinem Onlinespeicher abgelegt und können von jedem downgeloaded werden. Inzwischen ist daraus ein riesiges Archiv geworden. Überdies hat er sich als Regisseur bei der Herstellung der Geli-Videos künstlerisch hervorgetan. Seit 2006 wird den Gewinnern der Meisterschaft jeweils ein Pokal überreicht. Ferdi liefert zu jedem Rennen die Setups und stellt den Link zum Raceport auf seiner Homepage ins Forum. Pit sorgte viele Jahre zuverlässig für ein stabiles Hosting.
Viele Fahrer haben wir all die Jahre im Forum freudig begrüßt und ihnen bei der Einrichtung des Computers fürs online-racen geholfen. Viele haben wir dann aber auf einmal nicht mehr gesehen, manche sind später auch wieder zurückgekommen. Mario und Freddy, die beiden Mitbegründer der Gentlemen‘s League, hatten sich bereits im ersten Jahr aus dem Rennbetrieb verabschiedet. Alles in allem sind die Fahrer jedoch der Geli für sehr lange Zeit treu geblieben, was ich auf den freundschaftlichen Umgangston und den gegenseitigen Respekt sowohl in den Rennen als auch im Forum zurückführe. Jörg Rhode, ein ebenfalls langjähriger und immer zu Späßen aufgelegter Mitfahrer von der Küste („Herr Kaleun“), ist 2014 ganz plötzlich verstorben. Ihm zu Ehren fahren wir noch heute jährlich seine Lieblingsstrecke Monza 10k, beim ersten mal in seinem Lieblingsauto. Das Fahrerfeld blieb insgesamt – trotz der üblichen Schwankungen – über die ganzen Jahre gut besetzt

Quelle: A. Kleinfeld, Februar 2019

Als besonderes Schmankerl sollen einige Impressionen der erwähnten LAN-Party aus Albrechts Privatarchiv nicht fehlen:

v.l.n.r.: Andreas Hesmer, Jörg Unkelbach, Albrecht Kleinfeld
Quelle alle Fotos: A. Kleinfeld

Das soll an dieser Stelle das (einstweilige) treffende Schlußwort sein. Was noch alles kommt, wissen wir auch nicht, aber wenn es nach uns geht, darf es noch sehr lange so weitergehen. Weitere Zeitzeugen sind herzlich eingeladen, ihre Eindrücke aus der ‚wilden Phase‘ beizusteuern 🙂